Text Grether

WIR SIND HIER KEINE KICHERBUDE

Kerstin Grether ist Musikerin, Schriftstellerin und feministische Aktivistin. Für ICH BOXE hat sie sich dem Boxsport genähert und in ihrer Girl-Gang mal nachgefragt, ob da die ein oder andere boxt.

Wir sind hier keine Kicherbude
von Kerstin Grether

Regina Halmich, Nadja Loritz oder Susi Kentikian haben gezeigt, wie es geht: Die Zeiten des Verbots, die Zeiten, in denen Frauen beim Boxen nur zuschauen durften, sind lange vorbei. Die Königinnen des Rings sind international anerkannte Sport-Profis. Während Profiboxen in Schweden für Frauen und für Männer durch Beschluss des Reichtags von 1970 bis 2006 verboten war (als Grund galten die gesundheitliche Gefährdung der Boxer und ethische Bedenken) und selbiges auch noch bis 2014 für Norwegen galt (dort ist es der wundervollen, erfrischend selbstbewussten „First Lady des Boxens“ Cecilia Braekhus zu verdanken, dass das Gesetz 2014 geändert wurde) war das Amateurboxen in Deutschland bis 1996 „nur“ für Frauen offiziell verboten. Durchaus auch mit Argumenten, die die Sorge um die Gesundheit der Boxerinnen in den Fokus rückten. Reichlich absurd das, wenn man bedenkt, dass der Boxsport sich ja am gleichstarken Gegner, der gleichstarken Gegnerin (Gewichtsklasse) orientiert, und Frauen gegen Frauen kämpfen. Aber hierzulande setzt die Emanzipation ja gerne mal aus, wenn Frauen in die Extreme gehen und über das Mittelmaß hinauswachsen. Die Redewendung „sich gut schlagen“, was ja so viel heißt wie „sich souverän durchsetzen“, lässt aber tief blicken und darauf schließen, dass die Fähigkeiten, die man im Boxsport bewundern oder erwerben kann, durchaus ein hohes Ansehen haben – und das gilt mittlerweile zum Glück auch für Frauen.

1918, mit der Weimarer Republik, wurde das Boxen legal, sowohl das der Männer als auch das der Frauen. (Aber schon 1906 wurde der erste Boxverein in Köln gegründet.) 1921 jedoch verbot der Amateurboxverband das Boxen der Frauen und 1925 dann auch die Berufsboxerinnen. Aber das Verbot wirkte nicht so wie sich die Herren das erhofften. Bekannte Künstlerinnen der Weimarer Republik wie Marlene Dietrich, Carola Neher, Vicky Baum oder auch Leni Riefenstahl fingen erst Recht an zu boxen. Die Nazis verboten das Frauenboxen dann rigoros, aber im Rotlicht und Jahrmarktmilieu überlebte es die Nazizeit. In den 1970er- Jahren gab es erst Versuche das Frauenboxen wieder seriös zu betreiben, es zogen aber auch Frauentrupps durchs Land; Mädchen aus einkommensschwachen Schichten, die sich im Boxring oben ohne verprügelten, um das Konto ein wenig zu füllen.

Der Durchbruch gelang dann erst in den 90ern, auch wenn Frauen sich auch heute noch in Boxklubs eher für die Gymnastik interessieren und seltener zu Wettkämpfen in den Ring steigen. Kein Wunder, ganz frei von geschlechtsspezifischen Stereotypen geht es auch in der Profiliga nicht zu, weshalb Spitzensportlerinnen es schwerer haben Promotion-Agenturen zu finden, die ihnen Werbekampagnen finanzieren, wie Cecilia Braekhus, die es wissen muss, erst diese Woche wieder in einem Interview beklagte. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Einer ist vielleicht: wenn eine Frau wütend ist, wird das innerhalb der Gesellschaft ja immer noch anders bewertet als bei Männern. Was, die soll ein Kind großziehen? Dabei ist gerade das Training am Sandsack bestens zum Aggressionsabbau geeignet.

Vereine wie z.B. der Berliner Seitenwechsel verstehen sich als Orte, wo Frauen, Lesben, Trans und Inter trainieren, egal welche Gewichtsklasse oder welcher Leistungsgrad. Die Trainingseinheiten werden individuell abgestimmt und auf die Bedürfnisse der einzelnen zugeschnitten. Trainiert wird vor allem Kondition, Technik, Konzentration, Kraft und Schnelligkeit. „Nasenbeinbrüche und Veilchen“ wollen sie den Profis überlassen. Trotz all dem ist das öffentliche Bild und der besondere Mythos des Boxens fast ausschließlich vom männlichen Profiboxer geprägt. Dabei gibt es neben dem Aspekt der Gleichberechtigung sogar, blöd gesagt, „frauenspezifische“ Gründe fürs Boxen, denn es ersetzt z.B. den Kurs zur Selbstverteidigung, und ja, sinnvoller als z.B. Kalorienzählen ist so ein effizientes Allroundprogramm, bei dem alle Muskelgruppen trainiert werden, allemal.

Ich hab mal bei meiner Girl-Gang nachgefragt, ob vielleicht die eine oder andere von ihnen boxt, und tatsächlich: drei meiner Freundinnen sind oder waren mal Mitglied in einem Boxverein! Carmen zum Beispiel. Drei Jahre lang, von 2012 bis 2015, ging sie einmal wöchentlich zum Boxtraining in der schönen, traditionsreichen Boxstadt Köln. In einen Verein allerdings, wo eher Medienleute trainieren. Den Mythos vom verrauchten Traditionsverein mit leichten Girls und schweren Jungs hat sie da leider nicht wieder getroffen, aber ansonsten hat sie jede Menge spannende Sachen erlebt. Mir hat es jedenfalls geholfen die -verbotene- Welt des Boxens ein wenig besser zu verstehen.

ICHBOXE: Sag erst mal wie du zum Boxsport kamst und beantworte auch gleich die Frage, ob du am Anfang Zweifel hattest, dass es vielleicht nicht zu dir passt, „unweiblich“ sei oder sowas in der Art.

Carmen: „Eine Freundin von mir hatte zu diesem Zeitpunkt schon angefangen zu boxen. Sie hat viel Werbung bei mir dafür gemacht und gemeint, es würde total Spaß machen. Und sie hat mich davon überzeugt, obwohl ich ja Sport eigentlich ablehne (lacht) und eigentlich auch seit der Schule keinen Sport mehr gemacht habe. Ich hab dann gesagt: Okay, ich komm mal mit. Hab auch gefragt: Muss man da kämpfen? Sie hat gesagt: Nee, erst mal nicht. Man muss da ganz viel Technik lernen und sich fit machen. Sie selber hat mit dem Boxen anfangen, um etwas für ihre Figur zu tun.“

ICHBOXE: Ist ja lustig, das sind ja eigentlich auch „frauenspezifische Gründe“…

Carmen: „Im Prinzip ja, das Abnehmen-Wollen sehen Frauen ja oft in ganz anderen Dimensionen. Für mich selber war das mit dem Boxen aber ein „Freundinnen-Ding“. Ich dachte: probier ich`s halt mal aus.“

ICHBOXE: Habt ihr Boxen noch als „Männersportart“ wahrgenommen oder einfach als Fitness-Sport?

Carmen: „Ich hab es eigentlich als Fitness verstanden, es war übrigens von Anfang an gemischtes Training. Ich war im Vorfeld kein Box-Fan, es war nicht so, dass ich mir Boxkämpfe angesehen habe. Aber klar, die Boxtradition in Köln ist natürlich rein männlich geprägt, da gab es auch so Kneipen im Friesenviertel, die boxgeprägt waren und die ganzen Boxgrößen, die man kennt, sind auch fast alle männlich. Regina Helmich war ja die erste Frau in Deutschland, die damit ins Fernsehen kam. Das Training war eigentlich ein Frauen-Training, aber dadurch dass einige Leute auf Kämpfe hin trainiert haben, haben immer auch Herren am Frauentraining teilgenommen.“

ICHBOXE: Haben die Frauen auch mal gegen die Männer geboxt?

Carmen: „Im Notfall schon, aber dann aus Trainingsgründen, nicht als Kampf. An Kämpfen hab ich nie teilgenommen, man konnte sich das aber anschauen, manche, die trainiert haben, waren da schon professionell, also im Amateurbereich professionell unterwegs.“

ICHBOXE: Was genau habt ihr denn gemacht? Beschreib mal so eine Box-Stunde

Carmen: „So ein Boxtraining dauerte anderthalb Stunden. Es fing mit Warmlaufen an, gründlich warmlaufen, und danach gab es Seilspringen und Liegenstütz machen im Wechsel und zwar ziemlich lang, weil beim Boxen kann man sich sehr leicht verletzen und da muss man richtig mega aufgewärmt sein. Und dann kamen halt Gleichgewichtsübungen und Kraftübungen dazu, viele Partnerübungen und Technikübungen. Und in der letzten halben Stunde gab es Sparring für die Fortgeschrittenen und die Anfänger trainierten am Box-Sack.“

ICHBOXE: Die eigentliche Box-Zeit betrug dann immer nur eine halbe Stunde?

Carmen: „Eigentlich ja. Bevor man ansatzweise gegen jemanden antreten kann, muss man ganz viel Technik draufhaben. Man muss sich einerseits schützen, damit man keine Schläge abbekommt und andererseits muss man ja auch schlagen können, und das ist beides schwierig. Schlagen war eine Riesenüberwindung für mich. Das brauchte mehr Überwindung als sich selber schlagen zu lassen. Ich hab ja keine offiziellen Kämpfe gemacht, aber man hat kurze Kämpfe. Das Ganze ist so absurd, dass es schon wieder Spaß macht. Es geht ja auch nicht darum geschlagen zu werden, sondern die Gegnerin zu besiegen. Es geht ja nicht um Gewalt, es ist ja ein Spiel. Man denkt halt man ist besser als die andere.“

ICH BOXE: Hat dir das auch insgesamt Selbstvertrauen gegeben? Wenn du z.B. nachts draußen rumgelaufen bist?

Carmen:“ Das auf jeden Fall. Mehr Selbstbewusstsein und sicherer auf der Straße fühlt man sich auf jeden Fall. Einmal auch, weil man gedacht hat, man könnte sich ja jetzt wehren, wenn man angegriffen würde. Wenn ich abends durch die Südstadt gelaufen bin war ich viel furchtloser.“

ICHBOXE: Mir ist sowieso schon aufgefallen, wie wenig Angst du nachts auf der Straße hast.

Carmen: Ich habe auch das Gefühl, dass das Training noch nachwirkt. Wobei ich auf so eine körperliche Auseinandersetzung jetzt nicht scharf wäre. Ich fühle mich aber sowieso sicherer, weil ich groß bin. Wobei viele von den Boxerinnen, die sogar dreimal die Woche gekämpft haben, das waren so kleine, kompakte Frauen. Vor denen hatte ich am meisten Angst! (lacht) Wenn man dann solche Sachen machen musste wie sich den Medizinball zuwerfen und der wiegt ja so 15 kg, dann haben die den immer mit so viel Wucht geworfen, dass ich ihn kaum halten konnte. Man trainiert ja total viel und man lernt auf welche Bereiche man schlagen darf. Es gibt natürlich ganz viele Schläge, die nicht erlaubt sind. Es gibt ja auch Sachen, die tun richtig weh und das lernt man dann schon, wo es taktisch schlau ist.“

ICHBOXE: Hat man beim Boxen auch Angst, dass die anderen Boxerinnen die nichterlaubten Schläge trotzdem machen?

Carmen: „Ja, das kommt schon vor, im Eifer des Gefechts. Auch deshalb ist es wichtig sich zu schützen. Das ist ja oberstes Trainingsziel.“

ICHBOXE: Kannst du diese Schutz-Übungen mal beschreiben?

Carmen: Du brauchst halt immer eine Deckung. Es geht einmal darum zu schlagen, das ist dann offensiv, aber es geht halt auch darum, dass man sich schützt, möglichst wenig abkriegt, indem man sich z.B. wegdreht. Man muss immer die Arme hoch haben, so dass man nicht am Kopf oder im Gesicht getroffen wird. Eine Hand hat man immer an der Wange, auch um den Mund zu schützen, und mit der anderen Hand schlägt man. Das macht man, wie gesagt, um den Kopf zu schützen und die Zähne. Wenn du später kämpfst, dann brauchst du Zahnschutz, also Mundschutz. Weil Zähne und Nase sind empfindlich. Die Nase von Boxern ist oft gebrochen und das tut ja höllenweh. Und ich musste mich ja auch vor Schlägen schützen, auch wenn ich nicht wirklich gekämpft habe, waren das doch Kampfübungen. Man hat dann halt drei Minuten gekämpft, Deckung und Zuschlagen üben. Das Zuschlagen kostet, wie gesagt, sehr viel Überwindung. Aber es gehört zu den Aufgaben des Trainers einem diese Angst zu nehmen, eigentlich ist es ja eher eine Hemmung. Die sagen dann: „Komm, jetzt schlag richtig! Das will ich aber mal sehen.“ Der provoziert dich dann solange, bis du das machst. Und wenn du diese Hemmung überwunden hast, dann geht das auch. Man will ja kämpfen, und wenn man diese Hemmung nicht ablegt, dann will man auch nicht kämpfen, dann macht das alles sowieso keinen Sinn. Geschlagen zu werden war auch hilfreich, weil nur dann lernt man ja sich zu schützen und sich zu wehren. Durch diese Boxhandschuhe ist es ja auch anders als wenn ich mit der Faust oder mit einem Schlagring schlage. Aber man kriegt schon blaue Flecken und wenn man was gegen die Rippen kriegt – das ist schon unangenehm.“

ICHBOXE: Wenn man ein paarmal gewonnen hat und sich siegreich fühlt: wird man dann immer besser?

Carmen: „Ja, man wird immer besser. Es macht Spaß und der Ehrgeiz steigt.“

ICHBOXE: Nochmal kurz zum Krafttraining am Anfang: was genau habt ihr denn da gemacht?

Carmen: „Also je nach Ausstattung des Boxclubs, bei mir war der sehr altertümlich ausgestattet: wir haben viel mit Medizinbällen oder Gewichtsstangen gemacht. Ein richtiges Rückentraining ist wichtig, auch, dass die Arme kräftig sind. Aber auch die Beine, man braucht ja eigentlich den ganzen Körper dazu. Und die Gleichgewichtsübungen sind auch total wichtig, du musst ja immer fest, immer sicher stehen. Auf einem Bein stehen und Augen zu oder Reaktionssachen. Du kriegst einen Medizinball zugeworfen und musst ihn gleich wieder weiter werfen. Was auch ganz wichtig ist: dass man die Reflexe und die Reaktionen trainiert, dass man schnell wird. Wenn man einen schnellen Gegner hat, muss man ja auch schnell reagieren können. Wenn man Fitness machen will, dann ist es auf jeden Fall empfehlenswert.“

ICHBOXE: Du hast mir in einem Vorgespräch erzählt, dass du während des Trainings immer gelacht hast

Carmen: „Das Training an sich war ja ernst, aber ich fand es lustig, weil es so absurde Anforderungen gestellt hat: nochmal zwanzig Liegestütze und wieder Seilspringen und wieder Liegestütze. Ja, und Kniebeugen gab es natürlich auch (lacht.) Aber mein Boxtrainer fand trotzdem, dass ich das Training nicht ernst genug genommen habe. Weil ich immer so gekichert hab. Wenn der dann gesagt hat: noch 20 Liegestütz – da kann man doch nur lachen! Der hat dann immer zu mir gesagt: ´wir sind hier keine Kicherbude´.“

ICHBOXE: Das heißt, so richtig ernst hast du es doch nicht genommen?

Carmen:“ Ja, ich fand es an sich absurd und übertrieben, einfach weil halt dieses Ziel, uns alle zu total fitten Boxkämpferinnen zu machen, mich belustigt hat. Und ohne darüber zu lachen hätte man es gar nicht ausgehalten. Da wäre ich schon nach dem zweiten Mal nicht mehr hingegangen.“

ICHBOXE: Haben die anderen auch gelacht?

Carmen: „Die anderen haben auch gelacht, außer die, die es ernsthaft betrieben haben.“

ICHBOXE: Die kleinen kompakten Mädchen, die haben gedacht, sie zeigen´s euch großen Damen jetzt mal! Wie ging eigentlich die Sache mit dem Abnehmen aus? Hat deine Freundin abgenommen?

Carmen:“ Es gab viele Frauen, die haben sich vorher und nachher gewogen, das war meistens über ein Kilo. Aber ich denk mal, das war Wasser, weil wir so geschwitzt haben. Auch diese Handschuhe: die waren immer komplett durchgeschwitzt.“

ICHBOXE: Also das heißt: die haben das gar nicht wirklich abgenommen?

Carmen: „Gut, wenn man danach zwei Bier trinkt, dann hat man es wieder drauf.“

ICHBOXE: Wenn sie danach Magerjoghurt gegessen hätte, dann nicht.

Carmen: „Wenn man abnehmen will und dasselbe isst wie vorher, dann nimmt man auf jeden Fall ab. Erst Recht wenn man dann noch weniger isst. Zum Abnehmen ist Boxen ein guter Sport.

ICHBOXE: Hat deine Freundin abgenommen, die es dafür gemacht hat?

Carmen: „Als sie aufgehört hat, hat sie gesagt: sie hat zugenommen. Also denk ich schon, dass sie abgenommen hatte. Insgesamt waren das total gemischte Frauen, in jeder Größe, Gewichtsklasse usw. Normalerweise kämpfst du auch nur in der gleichen Gewichtsklasse. Es gibt schon allein für Frauen zehn verschiedene Gewichtsklassen. Es muss halt körperlich ausgeglichen sein.“

ICH BOXE: Beim Kämpfen geht es ja auch darum zu protzen und sich zu zeigen. War dir das auch wichtig auszustellen: ich bin die Größte!

Carmen:“ Dafür war ich, glaub ich, nie gut genug. Aber ich hab mich schon sehr gut gefühlt. Es war auch eine Zeit in der ich beruflich sehr gestresst und beansprucht und geärgert war, weil ich da Betriebsrätin war. Dafür war das Ganze natürlich auch gut. Um Aggressionen abzubauen, wie Schlagzeugspielen.

ICHBOXE: Ist es dann wirklich so, dass man auf den Boxring draufhaut und denkt: ich hasse den und den oder die und die?

Carmen: „Also innerlich denkt man schon: mein lieber Chef, das ist für dich. Draufhauen wird besser, wenn man ein Feindbild hat.“

ICHBOXE: Wenn du jetzt mal so zurückblickst: was hast du aus all dem für dich behalten, für den Alltag?

Carmen: „Ich glaub schon, dass ich unerschrockener bin, abends. Ich würde es mir auf jeden Fall zutrauen zurückzuschlagen, wenn mich jemand angreifen würde. Das ist als Reflex in mir.“

ICHBOXE: Hatte es bei Dir auch etwas mit SichZeigen zu tun, Boxen hat ja etwas Exhibitionistisches.

Carmen:“ Ja, klar diese Kämpfe sind sexy. Es geht ja darum zu sagen: wer hat den tollsten Körper, wer ist der oder die Fitteste usw. Ich glaub, das war Lena auch wichtiger als mir. Und die Jungs waren der Reihe durch total durchtrainiert und gut gebaut. Ich glaub auch, dass man sich als dicker Junge gar nicht ins Boxtraining traut, das wäre jetzt so meine Theorie, weil das halt so ´ne körperliche Ausstellung ist. Ich glaube, dass diesen starken, durchsetzungsfähigen Körper zu zeigen, für Männer noch viel wichtiger ist.“

ICHBOXE: Wenn Boxen bei Männern das Gefühl auslöst: ich bin jetzt ein richtiger Mann – ist das bei Frauen dann auch so, oder eher umgekehrt? Ist man gemäß der gängigen heteronormativen Geschlechtercodes eher eine „richtige“ Frau, wenn man boxt oder eine von der Norm abweichende Frau?

Carmen: „Man fühlt sich schon eher gut. Weil man denkt, man tut was für seine Fitness und man tut auch was für seine Verteidigungsfähigkeit. Auch wenn man es im Bekanntenkreis oder Kollegenkreis erzählt: es wird immer als cool interpretiert, nicht so als Mannweib.“

ICHBOXE: Also nicht eine „gute“ oder eine „schlechte“ Frau, sondern eine coole Frau.

Carmen:“ Ja, weil es halt exotisch ist. Und es ist mit völlig falschen Vorstellungen behaftet, weil dann alle denken, man schlägt da reihenweise Frauen nieder oder so (lacht). Ich würde es jedem empfehlen, der es ausprobieren will, man muss sich halt einen Club aussuchen, der passt, wo man sich mit den Leuten wohlfühlt, weil es natürlich schon angstbehaftet ist.“

ICHBOXE: Hat es auch das Freundschaftserlebnis verstärkt?

Carmen:“ Ja, auf jeden Fall. Wir haben immer eine Nachbesprechung gemacht, was die Highlights des jeweiligen Trainings waren oder natürlich der anwesenden Teilnehmer. Es war auch ein Freundinnen-Ding.“

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