Die große Show: Mayweather vs. McGregor

In der Nacht von Samstag auf Sonntag (0300h MEZ) ist es soweit. Im medial und monetär größten Kampf der Boxgeschichte stehen sich, in der T-Online-Arena zu Las Vegas, der US-Amerikaner Floyd Mayweather und der Ire Conor McGregor im Ring gegenüber. Geboxt wird über 12 Runden und anders wie in dieser Gewichtsklasse üblich mit 10 Unzen Handschuhen, werden die beiden Kämpfer 8 Unzen Handschuhe im Ring tragen. Mehr Blut und Tränen verspricht man sich davon. Und vielleicht ein vorzeitiges Ende.

Die Meinungen zu diesem Mega- oder Jahrhundertkampf, zu diesem Spektakel, sind nicht geteilt, sondern vielfältig. Puristen können sich vielleicht mit der Tatsache anfreunden, dass nach Boxregeln gekämpft wird. Denn viele Boxexperten und Boxfans sind sich sicher, dass der MMA-Fighter McGregor gegen den technisch-versierten einstigen Olympiasieger und mit 49 gewonnen Profikämpfen Kämpfen erfahrenen, intelligentesten und vielleicht besten Boxer der jüngeren Boxgeschichte, keine Chance haben wird. Mike Tyson sieht das anders. Er hätte gerne einen Kampf nach den Regeln der UFC bzw. MMA gesehen. Doch da sind sich wiederum alle einig, dass Mayweather chancenlos geblieben wäre. Geht es um Schlagkraft? geht es um Schnelligkeit? Entscheiden die zwölf jahre Altersunterschied? Letztendlich alles egal. Alles Spekulation. Vielleicht wird es weniger um Technik und Erfahrung und mehr um Intensität und Taktik gehen. Vielleicht mehr um Kondition und weniger um Kraft. Wer weiß das schon. Die Antworten auf all diese Fragen, wird es am 26. August im Ring geben. Und hinterher können dann alle wieder sagen, dass sie vorher schon gewußt haben, wer diesen Kampf gewinnt. Und natürlich warum.

Eigentlich wünscht man beiden Kämpfern ein Desaster. Mayweather, weil er wie kein zweiter Boxer das globale Geldgeschäft dieses Sports repräsentiert (die Fläche auf seiner von Philipp Plein designten Kampfhose für Samstag hat er für 22 Millionen an Sponsoren verkauft) und mit einer Niederlage das eigene Denkmal derart beschädigen würde, dass er nicht mehr für 49 Siege, sondern nur noch für eine Niederlage stehen würde. Eine Niederlage Mayweathers würde zudem dem Boxsport im ganzen schaden, weiter die Glaubwürdigkeit derer untermauern, die sich im globalen Boxen als verantwortlich und federführend bezeichnen würden – ganz gleich ob Promoter, Manager, Experten, Sender oder Presse. Denn keiner wird sich diesem Spektakel entziehen können, geschweige denn seine Meinung hinterm Berg halten. Zu groß sind die Eitelkeiten in diesem Geschäft. Zu gering ist die visionäre Kraft etwas wirklich zu verändern, dem Boxen etwas Transparenz und sportliche Relevanz zurückzugeben.

Bei McGregor ist das anders, er kommt aus einer Sportart, in der eine makellose Bilanz eher die Seltenheit ist. Doch die Gründe, warum man ihn gerne schnell und unkompliziert K.O. gehen sehen möchte, unterscheiden sich nicht dramatisch: Er repräsentiert eine Kultur, die ihre Legitimation aus einem Underdog-Bewußtsein zieht und sich auf ursprüngliche Motive von Gewalt und Kampf beruft. Wie Mayweather ist auch der kleine Ire sehr darauf bedacht, den für sich in Anspruch genommen Status eines Superstars auch nach Aussen zu tragen. So trägt er Pelz und teure Uhren, mehr oder weniger geschmacklose Designer-Outfits (bevorzugt ein wenig knapp sitzend und bis oben geschlossen) und präsentiert auch gerne mal seine Sammlung exklusiver Karossen, von Bugatti bis Lamborghini. Wer in Anbetracht der Biographien beider Fighter glaubt, dass hier Vorbilder zu Gange sind, die im Stande sind der Jugend etwas zu vermitteln, dass nicht mit dem eigenen Überlebenskampf, Status, Konsum und Macht zu tun hat, der ist leider falsch gewickelt.

Mayweather wäre bei seinem Sieg der statistisch gesehen beste Boxer aller Zeiten. Ein weiterer Superlativ. Ein weiterer Rekord. So sind sie, die Zeiten. Wir haben einen deutlichen Maßstab für all das und der lautet: Cash. Dieser Kampf treibt es zeitgeistig auf die mögliche Spitze. Beide Kämpfer werden viel Geld verdienen. Viele Leute drumherum werden eine Menge Geld verdienen. So manch einer wird mit einer Wette Geld verdienen. Andere werden genau so etwas Geld verlieren. McGregor wird populärer. MMA wird populärer. Die UFC wird populärer. Der Kampfsport wird in seinem ästhetischen Moment Einbussen zu Gunsten des martialischen, archaischen erleben. Roh werden sie sein, die Zeiten. Bunt und laut und voller Konfetti, das auf die Wunden und das Blut regnen wird. Klischees und Stereotype werden weiter boomen. Das moralische Dilemma entschuldigen wir dann alle mit Geld. Denn mit Geld kann gutes getan werden. Aber vielleicht ist es genau das: Es kostet nichts sich stellvertreten zu lassen. Nur ein Ticket. Ein Abo. Ein PPV. Ein bisschen Zeit. Ein bisschen Seele. das ist nicht viel. Es fühlt sich nach nichts an. Die anderen machen zu lassen und nur zu starren.

Wenn wir diesen Kampf zwischen Mayweather und McGregor als etwas betrachten, das die Welt in ihrem Werden und Sein beschreibt, dann stehen uns rauhe, laute, bunte Zeiten bevor. Nicht nur in Sport und Showbusiness. Auch im gesellschaftlichen Mit- und Gegeneinander der Eitelkeiten, Ideologien, Glaubenswelten, Geschlechter, Ethnien und Systeme. Leider sind wir alle naiv und freuen uns einfach nur über die Spiele und das Brot. Doch indem dieser Text in diesem Kampf mehr sieht als nur einen Kampf zwischen zwei Sportlern, die sich zum Kräftemessen im Ring treffen, wird auch dieser Text Teil dieser Inszenierung, Teil der Show. Das ist das faszinierende an all dem. Auch ich werde wetten. Und mich ab Sonntag erst recht auf den Kampf des Jahres freuen: Golovkin vs. Canelo.

Beim neuen Sport-Streaming-Dienst DAZN kann man sich übrigens aktuell den Gratismonat sichern und somit auch den Kampf Mayweather vs. McGregor. Allerdings sollte das bis zum 26.08. gebucht werden.

Text: JF

shareShare on FacebookTweet about this on Twitter

2 Comments

Say Something